Ägypten lässt inzwischen Mehl strecken

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Die Sorge um die Versorgungssicherheit der eigenen Bevölkerung und die innenpolitischen Folgen einer möglichen Nahrungsmittelknappheit lässt die ägyptische Regierung zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen. Wie die dänische Jyske-Bank in ihren Erntekommentar berichtet, wurden die vom Staat subventionierten ägyptischen Mühlen aufgefordert, den Anteil von Weizenkleie im Mehl auf 6,0 % zu erhöhen. Kairo verspricht sich davon eine Reduzierung des Weizenverbrauchs bei der Vermahlung und damit eine Senkung des Importbedarfs um immerhin 500 000 t pro Jahr.

Der traditionelle Brotfladen ist das wichtigste Grundnahrungsmittel der ägyptischen Bevölkerung. Zugleich ist das Land stark von Weizenimporten abhängig; es bezog dabei im vergangenen Jahr rund 80 % seines Bedarfs aus dem Schwarzmeerraum. Nachdem Russland die ukrainischen Häfen blockiert hatte, brach somit auch die wichtigste Versorgungslinie Ägyptens bei Weizen weg. Dennoch weigerte sich das Land, von Russland Getreide abzunehmen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit aus den besetzten ukrainischen Gebieten stammt.

Gleichwohl treibt die Kairoer Regierung die Furcht vor einem neuen "arabischen Frühling" um: 2011 waren die Menschen in vielen arabischen Autokratien mit der Forderung nach "Brot, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit" auf die Straße gegangen; teilweise eskalierte der zunächst friedliche Protest und es kam zu gewaltsamen Aufständen. In Syrien folgte ein Aufstand, den Machthaber Baschar Hafiz al-Assad mit militärischer Hilfe durch Russland brutal niederstreckte.

Nachdem die russische Invasion und die Blockade der Ukraine für eine Preisexplosion an den internationalen Getreidebörsen gesorgt hatten, deckelte die ägyptische Regierung im März die Preise für Brot, um solche sozialen und politischen Folgen zu vermeiden. Fraglich bleibt jedoch, wie lange dieser Zustand fortgesetzt werden kann. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) veranschlagt die Weizenimporte Ägyptens im jetzt zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr 2021/22 auf 11,75 Mio t. AgE

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