Bauern wollen Wolfsmanagement nach französischem Vorbild

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Angesichts einer absehbar wachsenden Wolfspopulation in Nordrhein-Westfalen pochen der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) auf eine erleichterte Entnahme von Problemtieren nach französischem Vorbild und eine größere finanzielle Unterstützung für die Weidetierhalter. Im Vorfeld der heutigen Debatte im Umweltausschuss des Düsseldorfer Landtags zum Thema "Wolfsland NRW" hatten die beiden Verbände in einer Stellungnahme vor einer "eskalierenden Situation am Niederrhein" gewarnt.

Sie wiesen darauf hin, dass im Wolfsgebiet Schermbeck nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums zwischen 2018 und 2020 insgesamt 111 Weidetiere von Wölfen getötet worden seien. Mit wenigen Ausnahmen habe man die Übergriffe der ansässigen Wölfin "GW954f" zugeordnet. In mindestens vier Fällen sei dabei sogar ein nach den Empfehlungen des Bundes ausreichender Herdenschutz überwunden worden.

RLV und WLV fordern nun Konsequenzen in Form von Präventionsmaßnahmen und einer schnelle Entnahme von Wölfen, die trotz Schutzmaßnahmen Weidetiere angreifen oder reißen. Ansonsten werde die Akzeptanz für den Wolf in den betroffenen Gebieten weiter schwinden, so die beiden Verbände.

Das Agrarressort sieht jedoch insbesondere für die Entnahme der Wölfin derzeit keine rechtliche Handhabe. Ein heute vom Ministerium vorgelegtes Rechtsgutachten kommt zu dem Ergebnis, dass derzeit immer noch "zumutbare Alternativen zur Tötung der Wölfin oder des Rudels vorhanden sind". Damit wäre eine Entnahme von Wölfen im Wolfsgebiet Schermbeck auch aktuell weiterhin nicht rechtssicher möglich, stellt das Ministerium fest.

RLV und WLV verlangen ungeachtet dessen eine vollständige Kostenübernahme für Maßnahmen des präventiven Herdenschutzes, also nicht nur für die Anschaffungskosten, sondern auch für die Errichtungskosten wie beim Bau eines Massivzauns bei Gehegewild oder die laufenden Kosten bei einem Herdenschutzhund. Eine Ausweitung der Herdenschutzförderung auf alle potentiellen Beutetiere des Wolfes, wie sie die SPD im NRW-Landtag vorgeschlagen hat, dürfte nach Einschätzung der Verbände keine befriedigende Lösung bringen, da auch anerkannter Herdenschutz oft überwunden werde.

Die beiden Verbände plädieren stattdessen für eine nachhaltige Regulierung des Wolfsbestandes, wie er in Frankreich praktiziert wird. Dort dürfen bei gleichem EU-Schutzstatus bis zu 19 % der jährlich geschätzten Wölfe nach einem strengen Ausnahmeverfahren entnommen werden. Dies entsprach 2020 bei einem Wolfsbestand von 99 Rudeln insgesamt 97 Tieren. AgE

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