Rukwied mahnt zu Kampf gegen "Flächenfraß"

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Handlungsbedarf beim Insektenschutz hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, eingeräumt. Rukwied betonte jedoch, dass dabei die Landwirte nicht allein in der Verantwortung stünden. Der DBV-Präsident reagierte damit auf den heute vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie der Böll-Stiftung vorgelegten Insektenatlas 2020. Es greife zu kurz, beim Insektenschutz nur auf Pflanzenschutz und Agrarpolitik abzustellen, mahnte Rukwied. Schlüsselfaktor für den Bestandsrückgang sei auch nach Aussage des Insektenatlas der Verlust von Lebensräumen.

"Maßnahmen müssen daher auch bei Landschaftsstrukturen, bei der Erhaltung von Habitaten und damit auch beim Flächenverlust ansetzen", forderte der DBV-Präsident. Ihm zufolge ist allerdings der Flächenfraß "entgegen aller politischen Bekundungen" aktuell wieder auf fast 80 Hektar pro Tag gestiegen. "Schaffen wir hier keine Trendumkehr, werden wir bei der Erhaltung der Artenvielfalt wenig Erfolg haben", warnte Rukwied. Insekten als Bestäuber und Nützlinge seien essentiell für die Landwirtschaft. Der Schutz der Kulturpflanzen vor Schädlingen dürfe aber nicht unberücksichtigt bleiben, betonte der DBV-Präsident.

Nach seiner Darstellung haben die deutschen Bauern mit Blühstreifen, Landschaftselementen, Saumstrukturen oder Honigbrachen bereits geeignete Maßnahmen entwickelt und wollen diese weiter in die Fläche bringen. Dafür müsse jedoch der Schutz von Insekten und Biodiversität für die Betriebe attraktiver Teil der Fruchtfolge werden. "Mit Naturschutz müssen Betriebe auch Einkommen erwirtschaften können", verdeutlichte Rukwied. Der DBV wolle diese erfolgreichen Maßnahmen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) umsetzen, und zwar über EcoSchemes und Agrarumweltprogramme.

Der BUND und die Böll-Stiftung wiesen darauf hin, dass bei etwa der Hälfte der in Deutschland heimischen Wildbienenarten ein Populationsrückgang zu verzeichnen sei. Auch global sei der Insektenschwund dramatisch. Die Stiftungsvorsitzende Barbara Unmüßig machte dafür in erster Linie die "industrielle Landwirtschaft" mit Monokulturen und Massentierhaltung verantwortlich. Sie und der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt riefen die Politik deshalb auf, künftig vorrangig die Agrarbetriebe dabei zu unterstützen, weniger chemischen Pflanzenschutz und Dünger einzusetzen und mehr Lebensraum für Insekten zu schaffen. Bandt hält zudem eine Reduzierung des Fleischkonsums für unerlässlich. Dadurch soll der Bedarf für Futtermittel - beispielsweise an Soja aus südamerikanischen Monokulturen, spürbar sinken. AgE

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